Politea

Die Christdemokratie Deutschlands wird ein ähnliches Schicksal ereilen, wie es die Sozialdemokratie verdauen muss. Die fetten Jahre, die großen Tage sind vorbei auf unabsehbare Zeit. Ich bedauere dies; das kommt, weil ich mit diesen beiden Kräften nebst den Liberalen groß geworden bin. Und alt.

Die Ursachenforscher werden vielleicht betonen, alles habe nun mal seine Zeit. Und Zeit läuft ab und andere Kräfte übernehmen die politische Gestaltung. Das hat etwas für sich, vor allem ist dieses Denken und Interpretieren jenen sympathisch, die sich nicht lange bei Selbstzweifeln und -kasteiungen aufhalten wollen. Sie richten den Blick lieber in die Ferne, jwd.
Wem das jedoch zu fatalistisch klingt – Schuld und Schuldgefühle leben nämlich von der Hoffnung auf Erlösung und dem Glauben an die eigenen selbstheilenden Kräfte; und diese Herangehensweise ist sympathisch vor allem für Personen mit masochistischer Begabung – der wird erklären müssen, warum der Niedergang nicht trotz, sondern gerade wegen der bisherigen Haltung und Handlungsweise kam.

Wie dem auch sei, beides also findet vorerst sein Publikum.
Klar jedoch ist das Erstarken der Grünen auf Dauer. Auf Dauer unter der Bedingung, dass eine weitere politische Kraft ersteht, die sich als Gegenkraft zu grün präsentieren und behaupten kann. Die alten Verknüpfungen mit den Begriffen wie „links“ und „rechts“ und „Mitte“ taugen dann nicht und werden mit Inhalten neu gefüllt. Vorschläge dazu bestehen bereits und verdichten sich. Und weiter ist klar: auch wenn der Faschismus Teil europäischer Gene ist und immer wieder und allenthalben aufflackert, wird eine neue politische Struktur unfaschistisch sein. Zwangsläufig; denn Geschichte wiederholt sich nicht.

Uns Christen kommt wie stets die Aufgabe zu, das Wort Gottes in eine sich verändernde Welt hineinzusprechen. Verbum Dei manet in aeternam, Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.

Über bikerpfarrer

Beauftragter der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz für die Arbeit mit Motorradfahrenden. www.ekbo.de
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Politea

  1. Thomas Jakob schreibt:

    Mir fällt gerade auf, dass die etablierten Volkskirchen in ähnlicher Weise an Zustimmung verlieren wie die etablierten Volksparteien CDU und SPD, nur dass sie nicht so hart die Quittung bekommen wie die Parteien bei Wahlen.

  2. padener schreibt:

    Hat dies auf padener'Zeitgeist rebloggt.

  3. George schreibt:

    Ein sehr komplexes Thema. Mal grob gesagt: Die Konservativen haben wirklich wichtige Themen verschlafen, und Angela Merkel hat die CDU entkernt. Die linken Parteien reden nur noch von „Europa“, Frauen und Minderheiten, und haben ihre ehemalige Klientel, die Arbeiter alias alten weißen Männer verloren. Und die Grünen punkten jetzt mit Weltuntergangspanik. Ich bin mal gespannt, wie die Jungen reagieren, wenn sie echt mal Verzicht üben müssen.

    Mitr bereitet vor allem Sorge, wie sehr sich, gerae im Netz, alles hochschaukel. Die Leute hinterfragen nichts, und scheinen mir sehr leicht manipulierbar, auch weil sie sich alle in ihre eigenen Filterblasen zurückziehen. Ich wurde schon öfters auf Twitter privat angeschrieben, weil ich „falschen Leuten“ folge, oder „zweifelhafte Ansichten“ like. Menschen wie Seyran Ates gelten als rechtsradikal. Das hat für mich eigentlich schon protofaschistische Züge, diese Ausgrenzung, und daß man „mit denen nicht redet“.

  4. George schreibt:

    Hat dies auf Vergeudete Stunden rebloggt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s