Lilien auf dem Felde

Wagner schrieb wunderschöne Opern und war als genialer Musikus berühmt. Er starb schon vor langer Zeit. Dennoch kann auch heute noch und morgen seine geniale Musik zu Gehör gebracht werden, seine Klänge können wieder je und je so dramatisch, frisch und lebendig, seine Opern so grandios ertönen, wie einst er sie komponiert hatte. Denn wir haben seine Noten und erfreuen uns der Musik immer aufs Neue.

So etwa ist das auch mit Gott und den Menschen. Jeder von uns ist eine unverwechselbare Lebensmelodie, komponiert vom Leben, geschrieben auf den Seiten unserer Erfahrungen, Gedanken, Gefühle und Taten. Von Gott wunderbar erhört und gehört zu jeder Stund hat er nur unsere Partitur. Und wenn wir verstorben sind, dann bringt Gott unsere einzigartige Melodie im Himmel zum Erklingen in der Fülle, der Tonart, dem Tongeschlecht, der Lautstärke, dem Tempo und Rhythmus entsprechend unserem Gewordensein. Und nichts geht je verloren.

Was ich sagen will: Ich denke Religion vom Menschen her, wenn ich sie beschreiben muss. Es geht ja auch gar nicht anders; mit all den Antworten, mit all den offenen Fragen, den Aporien, den Höhen und Abgründen. Glauben aber verstehe ich von Gott her, Gott glaubt uns, die geglaubten Menschen. Da interessiert mich keine Seele, kein Gefühl, keine konkrete Ausgestaltung von Religion. Ich kann – wohin das alles wohl führt – nämlich nicht gut sinnvolle Aussagen über Gott treffen, weil ich das Ganze nicht überschaue. Ich kann ja nicht mal sagen, wie meine eigene Lebensmelodie einst erklingen wird, denn ich überblicke  nur Teile der Partitur; und außerdem ist sie noch unvollendet. Ich kann mir – anders vielleicht als andere – auch nicht vorstellen, dass es keinen Gott gibt.

Warum denke ich es so? Ästhetik!
Ein von Gott geglaubter Mensch zu sein finde ich einfach schön.
Es verpflichtet mich zu nichts. Bei ihm bin ich schön, egal ob ich mein Lebenslied in moll sing oder dur. Ich glaube den geglaubten Menschen, Jesus Christus.
Religion, Weltanschauung, jedoch finde ich nicht immer schön.
Nur wenn ich es muss.
Dann ja.

HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.
(Psalm 104,24)

Jesus spricht: Schaut die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass sogar Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.
(Matthäus 6,28-29)

Über bikerpfarrer

Beauftragter der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz für die Arbeit mit Motorradfahrenden. www.ekbo.de
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