​Der Freundeskreis besucht Obrawalde und Meseritz 

Nach fast einem Jahr der Planung und Organisation, die hinter uns lag, ging es für den „Freundeskreis Gedenkort Alter Anstaltsfriedhof“ am Samstag, den 24.9.2016 auf eine erste gemeinsame Fahrt nach Polen seit seiner Gründung im Juni 2015. Genauer gesagt sollten die Ziele Obrawalde und Meseritz heißen. 
Warum wir uns gerade für diese Ziele entschieden haben ist schnell berichtet. In die ehemalige Heil- und Pflegeanstalt Obrawalde, im heutigen Polen gelegen, wurden ca. 2000 Opfer der Euthanasie, die auch vor den ehemaligen Wittenauer Heilstätten (später Karl – Bonhoeffer – Nervenklinik) nicht halt gemacht hat, von dort deportiert und umgebracht. 

Noch heute kündet davon in Obrawalde ein im Jahr 1975 eingerichteter Raum des Gedenkens. Bei einem Vortrag durch Lukasz Paczkowski, Medizinhistoriker, der sich mit der Geschichte der NS – Zeit vor Ort befasst erfuhren wir im Kinosaal, was hier mit den Menschen passierte. Wir hörten dabei von Rassenhygiene und Genetik und wie es aus diesem Denken heraus zur Euthanasie kommen konnte. 
Besonders beeindruckend war es zu hören, dass das ansässige Klinikpersonal erst „normal“ hier arbeite. Später änderte sich das Denken und das Personal der Klinik brachte in ihrer Tätigkeit als Arzt oder Pfleger  andere Menschen um, die nach ihrem Denken nun „lebensunwert“ waren. Diese Frage treibt Lukasz Paczkowski bis heute um und er bemüht sich dieser Problematik durch seine Arbeit vor Ort näher zu kommen und dem Gedenken Raum zu geben. 

Es wurde berichtet, dass die Menschen hier durch Medikamente zu Tode kamen. Vom Ärztepersonal wurde in dieser Zeit wenig Widerstand geleistet. Wer sich dennoch traute Widerstand zu leisten, wurde sofort von seiner Arbeit entbunden. 
Im Gedenkraum konnten wir auf großen Bannern von Orten lesen aus denen Menschen hierher kamen. Auch Wittenau war hier aufgeführt. Nach der Besichtigung des Gedenkraums, einem Eintrag ins Gästebuch, dem Übergeben eines kleinen Dankes ging es weiter im Bus. Wir kamen bei der kurzen Fahrt an einem Mahnmal auf dem Gelände vorbei, wo wir kurz halt machten. Anschließend ging es für uns aber zum authentischen Ort – dem Friedhof auf dem Klinikgelände weiter. Hier legten wir einen Kranz des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, des „Freundeskreises Gedenkort Alter Anstaltsfriedhof Berlin – Wittenau“ ab. Auch der Verein der Verfolgten des Naziregimes (VVN Reinickendorf) beteiligte sich mit einem Gesteck daran. Jede der Gruppen kam kurz zu Wort und erläuterte, warum diese Kranzniederlegung an diesem Ort so wichtig ist. Wir standen während der Niederlegung gegenüber eines Massengrabes, das wir später auch noch auf Bildern eines Filmes sahen.
In Wittenau ist es leider bisher noch immer nicht möglich an dem Ort von wo die Patienten deportiert worden sind und damit an einem Zentralen Ort den auch der Friedhof widerspiegelt dem Gedenken Raum zu geben. Dies ist ein zentrales Ziel, das der Kreis mit einem Gedenkort jedoch erreichen möchte. Da unsere Zeit knapp bemessen war und wir einiges sehen wollten ging es nach dem Friedhof zurück in den Bus und wir fuhren nach kurzer Besichtigung der Kirche ins nicht weit entfernte Meseritz. 
Nach einer Mittagspause besuchten wir das dortige Museum, dass sich auf einem burgähnlichen Gelände befand und wurden vom Museumsleiter Andrzej Kirmiel begrüßt. 

Wir sahen uns in den Museumsräumen einen Film vom RBB über das Gelände in Obrawalde an, erfuhren später etwas über die neue Ausstellung: „Deutsche und andere Bewohner von Meseritz“. Bevor Fragen beantwortet werden konnten begrüßte uns jedoch noch Frau Zofia Plewa vom Landratsamt. Sie dankte unserm Kreis für sein Kommen nach Meseritz und Obrawalde und wünschte sich vor allem einen regen Kontakt zwischen uns. Zum Schluss ihrer kleinen Rede wünschte sie uns dann noch eine gute Zeit und freute sich, dass wir Interesse am Kleinod des Museums in Meseritz und der Stadt hatten. Diese Worte erfreuten unseren Kreis sehr und wir waren angetan, dass sogar die Politik auf uns aufmerksam gemacht wurde. Auch ein Besuch der Museumsräume war noch möglich nach dem auch hier ein kleiner Dank nicht fehlen durfte. Ich denke, der Eindruck dieser Fahrt mit allem Erlebten vor allem aber der großen Gastfreundschaft und dem weitergeben von Traditionen, die wir bei der Niederlegung der Kränze erlebten wird bei den Fahrtteilnehmern nachwirken und uns darin bestärken uns auch weiterhin gegen ein Vergessen in Wittenau einzusetzen und den Angehörigen endlich einen Ort der Trauer zurückzugeben.   

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Über bikerpfarrer

Beauftragter der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz für die Arbeit mit Motorradfahrenden. www.ekbo.de
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